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Milet an der türkischen Ägäis früher direkt am Meer

Wenn man über die ausgedehnten Baumwollfelder rund um die Ruinen von Milet blickt, glaubt man kaum, dass diese Stadt an der türkischen Ägäis einmal direkt am Meer lag und einen der wichtigsten Häfen der antiken Welt besass.
Milet war in archaischer Zeit die mächtigste ionisch-griechische Stadt an der kleinasiatischen Westküste und lag auf einer Halbinsel in der großen Mündungsbucht des Flusses Mäander (türkischer Name heute Menderes), in unmittelbarer Nachbarschaft von Priene und dem Apollon-Heiligtum von Didyma. Heute ist diese Bucht völlig verlandet. Der Mäander füllte die Bucht nach und nach mit Sedimenten auf und schnitt schließlich einen Teil der Bucht vom Meer ab, der heute den Bafasee bildet.
Nach dem streng rasterförmigen Straßenaufbau gemäß den Ideen des Hippodamos von Milet (475 - 400 v. Chr.) wird die Stadt heute auch als das "Manhattan der Antike" bezeichnet. Viele große Persönlichkeiten der Antike stammen von hier, darunter die so genannte "Schule von Milet" aus dem 6. Jahrhundert vor Chr., die als Geburtsstätte der Naturwissenschaft gilt. Der berühmte Lehrsatz des Thales gehört auch heute noch zu den Grundregeln der Geometrie, um die im Mathematikunterricht niemand herumkommt. Die Geschichte der Stadt lässt sich bis auf das Ende des vierten Jahrtausends v. Chr. zurückbelegen. Die Stadt wurde oft durch Katastrophen oder Kriege zerstört und anschließend wieder aufgebaut. Die heute zu besichtigenden Ruinen stammen größtenteils aus der klassischen und hellenistisch-römischen Zeit, jedoch stand die Stadt damals bereits im Schatten von Ephesos. Seine bedeutendste Phase hatte die ionische Polis bereits in archaischer Zeit wihrend der ersten Hälfte des ersten vorchristlichen Jahrtausends. Hier war Milet zum bedeutendsten Umschlaghafen für den Handel mit dem Orient aufgestiegen und prägte seine eigenen Münzen. Während der Perserkriege wurde es völlig zerstört und anschließend neu aufgebaut.
Durch den gestiegenen Grundwasserspiegel liegen ein großer Teil der Ruinen heute unter Wasser. Das berühmte Eingangstor zum Südmarkt der Stadt steht heute im Pergamon-Museum von Berlin, wohin es der deutsche Archäologe Theodor Wiegand Anfang des 20. Jahrhunderts überführte. Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten vor Ort gehören die Faustina-Thermen, ein römisches Bad, und der Löwenhafen mit dem Hafenmonument sowie die Nordagora mit ihrer ionischen Säulenhalle. Besonders eindrucksvoll ist das Theater, das über 20.000 Zuschauer fasste, und die seldschukische Ilyas-Bey-Moschee, die 1404 aus dem Marmor des antiken Milet erbaut wurde. Einige Kilometer von Milet entfernt befand sich das von der Stadt verwaltete Apollon-Heiligtum von Didyma, das durch eine Heilige Straße mit der Stadt verbunden war.
Die Besichtigung von Milet bietet sich als Tagesausflug von Bodrum aus an und kann gut mit einem Besuch des nahegelegenen Didyma-Tempels und den Ruinen von Priene sowie einem Badestopp am Strand von Altinkum verbunden werden. Eine Fährverbindung von Torba nach Didim verkürzt die Fahrzeit erheblich, ansonsten gelangt man über die Straße nach Milas ins Mäander-Tal. Bodrum verfügt über einen eigenen Flughafen mit Flugverbindungen, der während der Saison mehrmals in der Woche von Deutschland, Österreich und der Schweiz aus angeflogen wird.

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